Wenn deine Transkripte fertig sind, beginnt die eigentliche Auswertung. Dafür gehst du die Texte durch und versiehst wichtige Stellen mit Stichwörtern. In der Forschung heißt das Kodieren, und die Stichwörter heißen Codes. So siehst du am Ende, was mehrere Befragte zum selben Thema gesagt haben, und hast die passenden Zitate für deine Arbeit griffbereit. Dieser Ratgeber zeigt dir einen einfachen Ablauf.
Hinweis: Welche Auswertungsmethode zu deiner Arbeit passt, hängt von deiner Forschungsfrage und deinem Fach ab. Stimme dein Vorgehen mit deiner Betreuung ab.
Vor dem Start: eine Methode wählen
In der deutschsprachigen Forschung wird oft mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring oder nach Kuckartz gearbeitet. Daneben ist die thematische Analyse nach Braun und Clarke verbreitet. Diese Methoden unterscheiden sich unter anderem darin, wann die Stichwörter entstehen:
- Vorab festgelegt. Du leitest die Stichwörter aus deiner Theorie oder deinem Interviewleitfaden ab und ordnest die Stellen zu.
- Aus dem Text entwickelt. Du liest die Interviews und bildest die Stichwörter erst beim Lesen.
- Gemischt. Du startest mit wenigen Oberthemen aus dem Leitfaden und ergänzt beim Lesen neue Stichwörter.
Lies die Methode in der Originalliteratur nach und halte dich an deren Schritte. Dieser Ratgeber ersetzt das nicht.
Schritt für Schritt
- Transkripte prüfen und anonymisieren. Werte nur Texte aus, die du mit der Aufnahme abgeglichen hast. Mehr dazu in den Hinweisen zum Anonymisieren.
- Ein Interview ganz lesen. Lies zuerst, ohne etwas zu markieren. So bekommst du ein Gefühl für das Gespräch.
- Stellen markieren und benennen. Markiere eine Stelle, die für deine Forschungsfrage wichtig ist, und gib ihr ein kurzes Stichwort, zum Beispiel „Zeitmangel“.
- Eine Liste der Stichwörter führen. Notiere zu jedem Stichwort in einem Satz, was es bedeutet und wann du es vergibst. Das hilft dir, einheitlich zu bleiben.
- Die weiteren Interviews durchgehen. Nutze vorhandene Stichwörter wieder und ergänze neue, wenn etwas nicht passt.
- Stichwörter zusammenfassen. Lege ähnliche Stichwörter zusammen und ordne sie Oberthemen zu.
- Vergleichen. Lies alle Stellen zu einem Stichwort hintereinander. Wo sind sich die Befragten einig, und wo widersprechen sie sich?
Worauf du achten solltest
- Nicht zu viele Stichwörter. Wenn fast jede Stelle ein eigenes Stichwort hat, erkennst du keine Muster mehr. Fasse rechtzeitig zusammen.
- Genug Text markieren. Markiere so viel, dass die Stelle auch ohne das restliche Gespräch verständlich bleibt.
- Auch Gegenstimmen beachten. Suche gezielt nach Aussagen, die nicht zu deinem Eindruck passen, und nimm sie in deine Auswertung auf.
- Vorgehen festhalten. Beschreibe im Methodenteil, wie du vorgegangen bist. Wie das geht, steht im Ratgeber Transkription im Methodenteil beschreiben.
So unterstützt dich Stillscript
In Stillscript markierst du eine Stelle im Transkript und vergibst ein Stichwort. Du siehst dann alle Zitate zu einem Stichwort aus allen Interviews, jeweils mit Quelle. Stichwörter kannst du umbenennen und so auch zusammenlegen. Mit Pro bekommst du alle Zitate als Word-Datei. Deine Aufnahmen und Transkripte bleiben auf deinem Gerät.
Für einfache Auswertungen reicht das oft aus. Stillscript ist aber kein vollständiges Auswertungsprogramm. Wenn du Oberthemen, Memos oder Vergleiche zwischen Gruppen brauchst, exportiere deine Transkripte für MAXQDA oder NVivo.