Wenn du für deine Bachelor- oder Masterarbeit Interviews führst, bist du in der Regel dafür verantwortlich, die Identität deiner Gesprächspartner zu schützen. Bevor du Transkripte an deine Betreuung weitergibst, daraus zitierst oder sie in den Anhang aufnimmst, solltest du alle Angaben ersetzen, die Rückschlüsse auf eine Person zulassen. Dieser Ratgeber erklärt, warum das wichtig ist, was du ersetzen solltest und wie du dabei einheitlich vorgehst.
Hinweis: Dieser Ratgeber enthält allgemeine Informationen und ist keine Rechtsberatung. Welche Regeln für dich gelten, hängt von deiner Hochschule, deiner Einwilligungserklärung und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ab. Wende dich bei Fragen an deine Betreuung, die Ethikkommission oder die Datenschutzbeauftragten deiner Hochschule.
Warum Anonymisierung nötig ist
Interviews enthalten personenbezogene Daten. Deine Gesprächspartner haben dir in der Einwilligungserklärung zugestimmt, dass du ihre Aussagen unter bestimmten Bedingungen verwenden darfst. Meist gehört dazu das Versprechen, dass sie in deiner Arbeit nicht erkennbar sind. Mit der Anonymisierung hältst du dieses Versprechen ein.
Dabei hilft es, zwei Begriffe zu unterscheiden. Bei der Pseudonymisierung ersetzt du Namen durch Kennungen, bewahrst aber eine Zuordnungsliste auf. Mit dieser Liste lassen sich die Personen wieder identifizieren. Bei der Anonymisierung ist eine Identifizierung nicht mehr möglich.
Eine vollständige Anonymisierung gelingt nicht immer. Die KU Leuven weist in ihrem Leitfaden (Quelle) darauf hin: Interview-Transkripte lassen sich nicht immer vollständig anonymisieren, und durch das Entfernen von Informationen kann der Nutzen der Daten sinken. Kombiniere die Anonymisierung deshalb mit einer sicheren Speicherung und einem eingeschränkten Zugriff.
Was du ersetzen musst
Direkte Identifikatoren sind leicht zu erkennen:
- Namen der Befragten und der Personen, die sie erwähnen
- E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Anschriften
- Benutzernamen und Social-Media-Profile
Indirekte Identifikatoren übersieht man leichter, weil jede Angabe für sich harmlos wirkt. In Kombination können sie trotzdem auf eine bestimmte Person hinweisen:
- Orte wie Städte, Schulen, Kliniken oder Stadtteile
- Arbeitgeber, Organisationen und Funktionsbezeichnungen
- Genaue Daten, etwa ein Geburtstag oder der Tag eines bestimmten Ereignisses
- Ungewöhnliche Lebensereignisse, seltene Erkrankungen oder besondere Funktionen
- Angaben zu Familienangehörigen
Frag dich, ob jemand aus dem Umfeld der befragten Person, etwa eine Kollegin oder ein Nachbar, sie anhand des Transkripts erkennen könnte. Wenn das denkbar ist, ersetze die Angabe oder formuliere sie allgemeiner.
Platzhalter einheitlich vergeben
Ersetze identifizierende Angaben durch eindeutige Platzhalter in eckigen Klammern. So ist für Leser erkennbar, dass an dieser Stelle etwas geändert wurde. Beispiele:
- „Maria“ wird zu [B2] oder zu einem Pseudonym wie [Anna]
- „Klinikum Musterstadt“ wird zu [Klinik A]
- „Göttingen“ wird zu [Stadt 1] oder zu einer allgemeinen Beschreibung wie [mittelgroße Universitätsstadt]
- „mein Chef bei der Firma Müller“ wird zu „mein Chef bei [Unternehmen B]“
Führe eine separate Zuordnungsliste, in der jeder Platzhalter mit dem ursprünglichen Wert steht. Bewahre diese Liste sicher und getrennt von den Transkripten auf und halte dich an die Vorgaben deiner Hochschule, wer darauf zugreifen darf und wann sie gelöscht werden muss.
Einheitlichkeit ist entscheidend. Wenn [Klinik A] im ersten Interview eine bestimmte Klinik bezeichnet, muss der Platzhalter in allen weiteren Interviews dieselbe Klinik meinen. Sonst wird deine Auswertung unübersichtlich oder sogar fehlerhaft.
So gehst du praktisch vor
- Während oder direkt nach der Transkription anonymisieren. Solange das Gespräch frisch ist, kennst du den Zusammenhang am besten.
- Nach Namen suchen. Nutze die Suchfunktion deines Textprogramms, um jede Nennung eines bekannten Namens zu finden.
- Das Transkript noch einmal vollständig lesen. Achte gezielt auf indirekte Identifikatoren, die eine Suche nicht findet.
- Zitate vor der Verwendung prüfen. Ein kurzes Zitat in deiner Arbeit kann mehr verraten als das ganze Transkript, weil Leser genau darauf achten.
- Dein Vorgehen dokumentieren. Beschreibe im Methodenteil kurz, wie du die Daten anonymisiert hast.
Checkliste vor der Abgabe
- Alle Personennamen sind ersetzt oder entfernt.
- Orte, Organisationen und Daten sind wo nötig verallgemeinert.
- Die Platzhalter sind in allen Transkripten einheitlich.
- Die Zuordnungsliste ist getrennt und sicher gespeichert.
- Die Zitate in deiner Arbeit sind auf indirekte Identifikatoren geprüft.
- Dein Vorgehen entspricht der Einwilligungserklärung und den Vorgaben deiner Hochschule.
So unterstützt dich Stillscript
Stillscript erstellt einen automatischen Rohentwurf deines Interviews, den du anschließend prüfst, korrigierst und anonymisierst. Deine Aufnahmen und Transkripte bleiben auf deinem Gerät. Automatische Transkripte solltest du vor der Verwendung immer mit der Aufnahme abgleichen.