Leitfadeninterviews und Experteninterviews gehören zu den häufigsten Methoden in Bachelor- und Masterarbeiten. Bevor du die Interviews auswerten kannst, brauchst du ein sauberes Transkript. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die Transkription planst, welches Transkriptionssystem passt und wie du Schritt für Schritt von der Aufnahme zum fertigen Text kommst.
Transkriptionsregeln vor dem ersten Interview festlegen
Viele Studierende beginnen direkt nach dem ersten Interview mit dem Abtippen und entscheiden Details erst unterwegs. Das Ergebnis sind oft uneinheitliche Transkripte, die später überarbeitet werden müssen. Lege deshalb vorab fest, nach welchen Regeln du transkribierst. Kläre zum Beispiel diese Fragen:
- Übernimmst du Füllwörter wie „äh“ und „ähm“?
- Wie kennzeichnest du Pausen, Lachen oder Unterbrechungen?
- Wie benennst du die Sprecher, etwa „I“ für die interviewende Person und „B1“ für die erste befragte Person?
- Wie markierst du unverständliche Stellen, zum Beispiel mit (unv. 00:12:45)?
- Setzt du Zeitmarken, und wenn ja, in welchen Abständen?
- Wie gehst du mit Namen und anderen personenbezogenen Angaben um?
In der deutschsprachigen Forschung werden häufig etablierte Regelwerke genutzt, etwa Regeln für die einfache Transkription. Frag deine Betreuerin oder deinen Betreuer, ob am Lehrstuhl ein bestimmtes System erwartet wird. Im Methodenteil deiner Arbeit solltest du die verwendeten Regeln kurz beschreiben. Was dort sonst noch hineingehört, steht im Ratgeber Transkription im Methodenteil beschreiben.
Wörtlich oder einfach: Was Betreuende meist erwarten
Grundsätzlich lassen sich zwei Arten der Transkription unterscheiden.
Wörtliche Transkription gibt das Gesagte vollständig wieder, einschließlich Füllwörtern, Wiederholungen, Satzabbrüchen und oft auch Pausen. Sie ist sinnvoll, wenn die Art des Sprechens für die Auswertung wichtig ist, etwa in der Gesprächs- oder Diskursanalyse.
Einfache Transkription behält den Inhalt vollständig bei, lässt aber Füllwörter und offensichtliche Versprecher weg und nähert Dialekt behutsam an das Schriftdeutsche an. Für die qualitative Inhaltsanalyse, etwa nach Mayring oder Kuckartz, ist diese Form in vielen Fächern üblich.
Die Erwartungen unterscheiden sich je nach Fach und Hochschule. Kläre die Frage deshalb vor Beginn und halte die Antwort in deinen Regeln fest.
Schritt für Schritt von der Aufnahme zum fertigen Transkript
- Mit guter Tonqualität aufnehmen. Nutze nach Möglichkeit ein externes Mikrofon, wähle einen ruhigen Raum und teste die Technik vorher. Eine klare Aufnahme spart dir später viel Zeit.
- Dateien sichern und einheitlich benennen. Speichere jede Aufnahme mit einem eindeutigen Namen, zum Beispiel „Interview_03_2026-10-12“, und beachte die Vorgaben deiner Hochschule zum Umgang mit Forschungsdaten.
- Einen ersten Entwurf erstellen. Du kannst das Interview selbst abtippen oder mit einer Software automatisch einen Rohentwurf erstellen lassen. Automatische Transkripte sparen Tipparbeit, sind aber nicht fehlerfrei und müssen immer geprüft werden.
- Den Entwurf mit der Aufnahme abgleichen. Hör dir die gesamte Aufnahme an und lies dabei mit. Korrigiere falsch erkannte Wörter, Fachbegriffe, Namen und Sprecherzuordnungen.
- Die Regeln anwenden. Prüfe, ob Füllwörter, Pausen und unverständliche Stellen genau so behandelt sind, wie du es festgelegt hast.
- Anonymisieren. Ersetze Namen, Orte, Arbeitgeber und andere identifizierende Angaben durch einheitliche Platzhalter, etwa [Unternehmen A] oder [Stadt 1]. Richte dich nach deiner Einwilligungserklärung, der DSGVO und den Vorgaben deiner Hochschule oder Ethikkommission. Dieser Ratgeber ist keine Rechtsberatung. Wende dich bei Unsicherheiten an deine Betreuung oder an die Datenschutzbeauftragten deiner Hochschule.
- Die Endfassung speichern. Exportiere das Transkript in einem Format, das zu deiner Auswertungssoftware passt, zum Beispiel DOCX oder TXT, und bewahre eine datierte Kopie auf.
Typische Fehler
- Regeln mittendrin ändern. Dadurch werden die Transkripte uneinheitlich und schwerer vergleichbar. Wenn eine Änderung nötig ist, passe auch die bereits fertigen Transkripte an.
- Automatische Transkripte nicht prüfen. Software kann sich verhören, besonders bei Namen, Fachbegriffen und gleichzeitigem Sprechen. Hör die Aufnahme deshalb immer vollständig nach.
- Unklare Sprecherzuordnung. Bei mehreren Gesprächspartnern kann eine falsche Zuordnung den Sinn einer Aussage verändern.
- Anonymisierung vergessen. Identifizierende Details übersieht man leicht, vor allem in langen Antworten. Prüfe jedes Transkript, bevor du es weitergibst oder Zitate in deine Arbeit übernimmst.
- Den Zeitaufwand unterschätzen. Transkribieren dauert meist länger als erwartet. Plane ausreichend Zeit ein, auch für die Korrektur.
So unterstützt dich Stillscript
Stillscript erstellt einen automatischen Rohentwurf deines Interviews, den du anschließend prüfst und korrigierst. Deine Aufnahmen und Transkripte bleiben auf deinem Gerät. Bei Bedarf kannst du zusätzlich Untertitel im SRT- und VTT-Format exportieren, zum Beispiel für eine Präsentation.
Kostenlose Checkliste herunterladen
Unsere kostenlose Checkliste führt dich durch alle Schritte, von den Transkriptionsregeln bis zur Abgabe. Du kannst sie ausdrucken oder beim Arbeiten geöffnet lassen. Zur Checkliste