Transkriptionsregeln legen fest, wie gesprochene Sprache in geschriebenen Text übertragen wird. Klare Regeln sorgen dafür, dass deine Transkripte einheitlich sind, sich gut auswerten lassen und für andere nachvollziehbar bleiben. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Transkriptionsarten, zeigt, wie du typische Merkmale gesprochener Sprache kennzeichnest, und bietet dir eine Vorlage zum Übernehmen.
Was Transkriptionsregeln sind
Ein Gespräch besteht aus mehr als Wörtern. Menschen machen Pausen, lachen, unterbrechen sich gegenseitig, setzen Sätze neu an und sprechen manchmal undeutlich. Transkriptionsregeln bestimmen, welche dieser Merkmale du festhältst und wie du sie schreibst.
Es gibt nicht das eine richtige Regelwerk. Wie detailliert du transkribierst, hängt von deiner Forschungsfrage und deiner Auswertungsmethode ab. In der deutschsprachigen Forschung sind unter anderem Regeln für die einfache Transkription verbreitet, für sprachwissenschaftliche Arbeiten auch das Gesprächsanalytische Transkriptionssystem GAT 2. Für eine Inhaltsanalyse nach Mayring oder Kuckartz genügt meist ein einfaches Regelwerk.
Egal, wofür du dich entscheidest: Lege die Regeln vor Beginn fest, wende sie auf jedes Transkript an und beschreibe sie im Methodenteil deiner Arbeit. Frag deine Betreuung, ob am Lehrstuhl ein bestimmtes System erwartet wird.
Wörtliche und einfache Transkription im Vergleich
Wörtliche Transkription gibt alles wieder, was gesagt wurde, einschließlich Füllwörtern, Wiederholungen, Satzabbrüchen und oft auch Pausen und nonverbalen Äußerungen. Sie eignet sich, wenn die Art des Sprechens für die Auswertung wichtig ist, etwa in der Gesprächs- oder Diskursanalyse.
Einfache Transkription behält den Inhalt vollständig bei, lässt aber Füllwörter, Stottern und offensichtliche Versprecher weg. Dialekt wird behutsam an das Schriftdeutsche angenähert. Inhalt und Bedeutung bleiben erhalten. Diese Form ist bei inhaltlich ausgerichteten Auswertungen üblich.
Hier dieselbe Aussage in beiden Varianten.
Wörtlich:
B1: Also, ähm, ich- ich glaub, das, das Schwierigste war, äh, (2) ehrlich gesagt einfach die Zeit zu- zu finden. (lacht)
Einfach:
B1: Ich glaube, das Schwierigste war ehrlich gesagt einfach, die Zeit zu finden. (lacht)
Einfach heißt nicht umformuliert. Du korrigierst keine Aussagen so, dass sich ihr Sinn verändert, und du fasst nichts zusammen.
Pausen, Überlappungen und Unverständliches kennzeichnen
Unabhängig vom Stil brauchst du Konventionen für einige typische Situationen. Die folgende Notation ist verbreitet und gut lesbar. Du kannst sie anpassen, solange du sie einheitlich anwendest.
- Sprecherkürzel: Nutze kurze Kürzel am Anfang jedes Beitrags, etwa „I:“ für die interviewende Person und „B1:“ für die erste befragte Person. Beginne bei jedem Sprecherwechsel einen neuen Absatz.
- Pausen: Kennzeichne kurze Pausen mit (.) und längere Pausen mit der ungefähren Dauer in Sekunden, zum Beispiel (3).
- Überlappungen: Markiere den Beginn gleichzeitigen Sprechens mit // in den Beiträgen beider Personen oder beschreibe es, etwa [beide sprechen gleichzeitig].
- Abbrüche: Verwende einen Bindestrich, zum Beispiel „ich wollte ge-“.
- Unverständliches: Schreibe (unv.) mit Zeitmarke, zum Beispiel (unv. 00:14:32), damit du die Stelle später wiederfindest.
- Unsichere Wörter: Setze deine Vermutung mit Fragezeichen in Klammern, zum Beispiel (Workshop?).
- Nonverbales: Beschreibe es in Klammern, etwa (lacht), (seufzt) oder (Telefon klingelt).
- Betonung: Wenn Betonung für deine Auswertung wichtig ist, kennzeichne sie einheitlich, zum Beispiel mit GROSSBUCHSTABEN. Verzichte auf Fett- oder Farbmarkierungen, da Formatierungen beim Import in Auswertungssoftware verloren gehen können.
- Anonymisierte Angaben: Verwende eckige Klammern, etwa [Unternehmen A] oder [Stadt 1].
Vorlage zum Übernehmen
Kopiere die folgende Vorlage in ein Dokument, passe sie an dein Projekt an und halte sie beim Transkribieren griffbereit.
Transkriptionsregeln für [Projektname]
- Stil: einfach oder wörtlich (eins auswählen).
- Sprecherkürzel: I = interviewende Person; B1, B2 = Befragte.
- Neuer Absatz bei jedem Sprecherwechsel.
- Zeitmarken: bei jedem Sprecherwechsel / am Ende jedes Absatzes / in regelmäßigen Abständen (eins auswählen).
- Füllwörter (äh, ähm): werden übernommen / werden weggelassen.
- Pausen: (.) für kurze Pausen; (3) für eine Pause von etwa drei Sekunden.
- Überlappungen: // zu Beginn des gleichzeitigen Sprechens.
- Abbrüche: Bindestrich, zum Beispiel „ge-“.
- Unverständliches: (unv. hh:mm:ss). Unsicheres: (Wort?).
- Nonverbales: (lacht), (seufzt), (Unterbrechung).
- Dialekt und Umgangssprache: beibehalten / an das Schriftdeutsche angenähert.
- Anonymisierung: [Person A], [Stadt 1], [Unternehmen B]; Zuordnungsliste getrennt gespeichert.
- Kopf jedes Transkripts: Interviewkürzel, Datum, Dauer, interviewende Person, transkribierende Person.
Regeln auf automatische Transkripte anwenden
Wenn du einen ersten Entwurf automatisch erstellen lässt, gelten deine Regeln trotzdem. Automatische Transkripte können Fehler enthalten und folgen deinen Konventionen nicht von selbst. Hör dir die Aufnahme an, korrigiere den Text, prüfe die Sprecherkürzel und ergänze Pausen, Überlappungen und weitere Markierungen nach deinen Regeln.
So unterstützt dich Stillscript
Stillscript erstellt einen automatischen Rohentwurf deines Interviews, den du anschließend prüfst und an deine Transkriptionsregeln anpasst. Deine Aufnahmen und Transkripte bleiben auf deinem Gerät.